Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!

Das Rebhuhn als Leitart für eine artenreiche Agrarlandschaft

 

  

 

Das Rebhuhn

Das Rebhuhn (lat.: Perdix perdix) war bis in die 70er Jahre einer der häufigsten Vögel der Agrarlandschaft. Als bodenlebender Hühnervogel bevorzugt es offene Graslandschaften, ungenutzte Vegetation und Felder mit kleinräumigen nebeneinanderliegenden Feldfrüchten zum Brüten, zur Deckung und für die Nahrungssuche. Seit 1980 sind die Bestände des Rebhuhns jedoch europaweit um 94 Prozent zurückgegangen. Auf der Roten Liste der Brutvögel Bayerns und Deutschlands wird das Rebhuhn bereits als "stark gefährdet" eingestuft. Der starke Rückgang des Rebhuhns ist Zeichen eines generellen Verlusts an biologischer Vielfalt in der Agrarlandschaft. Andere Feldvögel, etwa Feldlerche, Goldammer, Hänfling, sind ebenso betroffen wie Feldhase, Feldhamster, Ackerwildkräuter und zahlreiche Insektenarten.

Sowohl der Einsatz von Pestiziden als auch der Verlust an geeigneten Strukturen wie Feldraine, Brachen, Heckensäume und mehrjährige Blühflächen setzen dem Bestand der Rebhühner seit Jahrzehnten zu. Zudem erhöht sich die Anzahl der Räuber, wie Fuchs, Marder und Co. stetig.  In über 130 Rebhuhnschutzprojekten in Deutschland wird bereits einiges für das Rebhuhn getan. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass diese Schutzmaßnahmen sich auch auf viele andere Tierarten wie Niederwild oder blütenbesuchende Insekten positiv auswirken. Es gibt viele Möglichkeiten etwas für das Rebhuhn zu tun. So können Ausgleichsmaßnahmen nach den Bedürfnissen des Rebhuhns ausgerichtet werden, die Mahd von Brachen und Feldrainen kann verzögert werden und Landwirte und Landwirtinnen können auf rebhuhngerechte Agrarumweltmaßnahmen aufmerksam gemacht werden.

 

Kostenfreie Beratung für Flächenbesitzer und Flächenbesitzerinnen

Ziel des im Bundesprogramm Biologische Vielfalt geförderten Projekts ist es, 7 % der landwirtschaftlichen Flächen bis 2029 rebhuhnfreundlich zu gestalten. Dazu können vor allem mehrjährige Brachen sowie strukturreiche und mehrjährige Blühflächen beitragen. Sie dienen, nicht nur als Bruthabitat, die Jungtiere finden hier auch viel Nahrung, wie Samen und Insekten. Ein rebhuhnfreundliches Mahdregime ab Mitte August und eine extensive Beweidung auf Grünflächen bietet dem Rebhuhn Deckung. Die Anlage und Pflege von Niederhecken mit breitem Krautsaum hilft dem Rebhuhn ebenso Deckung sowohl im Sommer als auch im Winter. Der geschaffene Lebensraum kommt dabei der gesamten Artenvielfalt der Agrarlandschaft zu Gute. Programme wie das bayerische Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) und das bayerische Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) fördern diese und viele weitere Agrarumweltmaßnahmen.

 

Maßnahmen:

Darunter gibt es verschiedene Maßnahmen, die dem Rebhuhn zu Gute kommen. Diese können auch in verschiedenen Varianten und Kombinationen durchgeführt werden. Detailliertere Informationen und weitere Vertragsvarianten können wir Ihnen gerne im persönlichen Gespräch erläutern. Nachfolgend rebhuhnfreundliche Beispiele aus dem Merkblatt „Ökolandbau, Bayerisches Kulturlandschaftsprogramm (KULAP), „Moorbauernprogramm“ und Bayerisches Vertragsnaturschutzprogramm inkl. Erschwernisausgleich (VNP) VP 2023 bis 2027 Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM)“:

Acker:

1. K56 - Mehrjährige Blühfläche

Höhe der Zuwendung - In Abhängigkeit von der einzelflächenbezogenen Ertragsmesszahl (EMZ)

– 1. Stufe: < 3.500 EMZ 400 €/ha

– 2. Stufe: 3.501 bis 4.500 EMZ 550 €/ha

– 3. Stufe: 4.501 bis 5.500 EMZ 700 €/ha

– 4. Stufe: 5.501 bis 6.500 EMZ 900 €/ha

– 5. Stufe: > 6.500EMZ 1.100 €/ha 

 

2. G12/G13 - Brachlegung auf Acker

Höhe der Zuwendung:

- G12: EMZ bis 6.500 500 €/ha

- G13: EMZ ab 6.501 750 €/ha 

 

3. K50/K51 - Streifenmaßnahmen:

    a. Erosionsschutzstreifen (K50) - Höhe der Zuwendung: 800 €/ha 

    b. Biodiversitätsstreifen (K51) - Höhe der Zuwendung: 800 €/ha 

 

Wiesen:

1. K16/K17 - Extensive Grünlandnutzung mit Schnittzeitpunkten

Höhe der Zuwendung:

     a. Nutzungsverbot vor dem 15.06. (K16) - Höhe der Zuwendung: 320 €/ha

     b. Nutzungsverbot vor dem 01.07. (K17) - Höhe der Zuwendung: 370 €/ha  

  

2. G29 - Brachlegung von Wiesen aus Artenschutzgründen

Höhe der Zuwendung: 350 €/ha 

 

Hecke:

I80 - Erneuerung von Hecken und Feldgehölzen

Höhe der Zuwendung: 3,80 €/ha

oder über Landschaftspflege- und Naturpark-Richtlinien

 

Für eine kostenfreie und unverbindliche Beratung über projektbezogene und geförderte Maßnahmen bei Ihnen vor Ort oder telefonisch kontaktieren Sie Ihre Ansprechpartnerin Carolin Bäuml beim LPV Straubing-Bogen unter 09421/973-560. 

 

Monitoring

Neben der praktischen Maßnahmenumsetzung steht das Monitoring im Fokus des Projekts. Die Erfassung der Rebhuhnbestände dient der Messung der Wirksamkeit der Maßnahmen und inwiefern weitere heimische Arten von diesen profitieren.

Dazu wird jedes Jahr im Frühjahr eine Rebhuhn-Zählung im Projektgebiet Gäuboden im Landkreis Straubing-Bogen durchgeführt. Mit einer Klangattrappe gerüstet gehen die Ehrenamtlichen eine oder mehrere Routen von 1,0 bis 1,5 km Länge ab und spielen alle 150 bis 200 Meter den Ruf eines Rebhahns ab. Alle Rebhuhnbeobachtungen, ob akustisch oder visuell, werden in der App NaturaList oder auf einer Feldkarte dokumentiert. Für die Erfassung sind kaum Vorkenntnisse nötig. Dazu brauchen Sie ein Mobilfunkgerät, einen kleinen Lautsprecher und ggf. ein Fernglas. Diese Kartierung findet während der Abenddämmerung von Ende Februar bis Ende März statt. Bei der vergangenen Zählung im Frühjahr 2024 wurde eine Rebhuhndichte von ca. 1 Rebhuhn pro 100 ha Agrarfläche ermittelt. Unser Ziel ist es, den Lebensraum bei uns im Projektgebiet so zu verbessern, dass wir zukünftig mehr als 1,5 Rebhühner pro 100 Hektar verzeichnen können.

Im Herbst gibt es eine ergänzende freiwillige Kettenzählung. Zwischen Mitte September und Mitte Oktober werden alle Sichtungen von Rebhuhnverbänden, sog. Rebhuhnketten, dokumentiert. Dabei wird vor allem auf die Zusammensetzung der Kette geachtet. Besteht eine Kette aus vielen Jungtieren und wenigen Alttieren war der Bruterfolg besonders gut. Es kommt aber genauso vor, dass sich mehrere Alttiere über den Winter zu einer Gruppe zusammenschließen oder sich einer Kette mit Jungtieren anschließen. Den Bruterfolg schätzt man anhand des Verhältnisses von Jungvogel zu Altvogel. Im Herbst 2023 wurde durch Beteiligung von 13 Jägerinnen und Jägern und vier zusätzlichen Freiwilligen 50 Routen begangen. Es wurden in unserem Projektgebiet 20 Rebhuhnketten gesichtet mit durchschnittlich 6,9 Jungvögel pro Altvogel. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 6,1 Jungvögel pro Altvogel bei 199 gesichteten Ketten.

Um abschätzen zu können, inwiefern die rebhuhnfreundlichen Maßnahmen anderen Arten der Agrarlandschaften zu Gute kommen, wird jedes Jahr im Frühjahr eine allgemeine Brutvogelkartierung durchgeführt.

Unterstützen Sie das Rebhuhn als Kartierender und melden Sie sich bei Ihrer Ansprechpartnerin Carolin Bäuml beim LPV Straubing-Bogen unter 09421/973-560.

 

Projektgebiet "Rebhuhn retten - Vielfalt fördern!" im Gäuboden Landkreis Straubing-Bogen

 

Weitere Informationen:

Projekt-Homepage "Rebhuhn retten - Vielfalt fördern!" 

Erklärvideo zur Frühjahreskartierung

Klangatrappe

DDA - Kartierungen

DVL - Projekthomepage

Rebhuhnschutzprojekt Göttingen

Bundesprogramm Biologische Vielfalt

Bundesamt für Naturschutz

 

Downloads und Pressemitteilungen:

Flyer "Rebhuhn retten - Vielfalt fördern! Projektgebiet Gäuboden im Landkreis Straubing-Bogen"

2023-11-21_Vlf-Deggendorf_Rundbrief-S. 23

2023-11-06_Straubinger-Tagblatt_Vögel in Aussicht

2023-09-28_Straubinger-Tagblatt_Neues Projekt

2023-08-31_Straubinger-Tagblatt_"Rebhuhn retten" -  Erfolgsprojekt für Arten- und Insektenschutz

2023-03-25_Straubinger-Tagblatt_Die Rebhuhnretter

2023-03-25_Straubinger-Tagblatt_Auf der Spur der Rebhühner

2022-01-22_Straubinger-Tagblatt_Stark gefährdete Art erfassen

 

Kooperationspartner:

Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL), der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), die Abteilung für Naturschutzbiologie der Universität Göttingen und zwölf weitere Projektpartner haben sich zusammengeschlossen, um dem Rebhuhn im Projekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ unter die Flügel zu greifen.

               

                       

Projektpartner: 

                          

Fördermittel:

Das Verbundprojekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz gefördert. Das Teilprojekt des Landschaftspflegeverband Straubing-Bogen e.V. erhält außerdem Fördermittel von der Stadt Straubing, dem Landkreis Straubing-Bogen und dem Bayerischen Naturschutzfonds.

                                        

 

Name Telefon Telefax Zimmer
Carolin Bäuml
Rebhuhn retten - Vielfalt fördern Mitarbeiterin
09421/973-560 09421/973-407 Containergebäude, EG, Zimmer 4